Philosophie

Philosophie

Den chinesischen Bewegungs- und Kampfkünsten liegt die Philosophie des Daoismus zugrunde. Dessen zentraler Aspekt der beiden komplementären Kräfte „Yin und Yang“ ist zum Beispiel ganz praktisch in den Bewegungen als Ausgleichen zwischen oben und unten, rechts und links, vorn und hinten, weich und hart, öffnen und schließen erlebbar.

Eine der wesentlichen Ideen ist ferner das „Wu Wei“, was zumeist mit „Handeln durch Nicht-Handeln“ übersetzt wird. Dies meint jedoch nicht ein „Gar-Nichts-Tun“, sondern ist eine Folge der Einsicht in die Zyklen der Welt bzw. der Natur, in der die substantiellen Dinge von allein geschehen, und wir diesem Geschehen nicht unseren Willen aufdrängen bzw. ihm nicht im Wege stehen (sollten). Ein Gärtner kann sich entschließen, sich nicht um seine Pflanzen zu kümmern oder aber er nutzt entsprechende Maßnahmen, um ihr Gedeihen zu begünstigen. Gänzlich in der Hand hat er dies Gedeihen jedoch nicht …  und ganz sicher hilft es nicht, wenn er an seinen Pflanzen zieht, damit diese schneller wachsen.

In unserer Gesellschaft gilt Leistung und permanente Selbstkontrolle: „Reiß dich zusammen und streng Dich an, dann schaffst Du alles!“ als Erfolgsversprechen. Von außen kommende Anforderungen (zur Leistungsoptimierung) fallen auf einen fruchtbaren inneren Boden und wir entwickeln unter Umständen einen überhöhten Perfektionsanspruch. Diesen sollen wir aber auch lernen „loszulassen“, um glücklich zu sein – ein Postulat, was ohne das genaue Betrachten eines „Wie?“ eigentlich nur Plattitüde ist. Gehen wir dann etwas in die Tiefe und schauen uns die Idee eines „Wu Wei“ an, stellt uns diese vor ein auf den ersten Blick unüberwindbares Paradox: „Streng Dich an, Dich weniger anzustrengen!“  Allein mit intellektueller Auseinandersetzung kann der Einzelne all diesen Ansprüchen nicht das rechte Maß zuweisen, geschweige denn gerecht werden. Über den Körper in ganzheitlicher Bewegung kann jedoch aus philosophischen Gedanken spürbare Erfahrung werden, die einem zukünftigen Handeln (als Haltung) zugrunde liegt … und das vielleicht sogar in einer Art spielerischer Mühelosigkeit.

Jeder Unterricht in den Bewegungs- und Kampfkünsten beinhaltet demnach philosophisches Gedankengut auf körperlicher Ebene – dieses zu reflektieren und auf diesem Wege genauer zu erschließen, kann sehr aufschlussreich für die persönliche Entwicklung sein und ist bei entsprechender Zielsetzung Inhalt im Einzelunterricht.